Von der KWV zur WVL 40 Jahre kommunale Wohnungsverwaltung in Leinefelde
Auf der Grundlage des 1959 beschlossenen Eichsfeldplanes der Regierung der DDR wurde im Zeitraum von 1961 bis 1989 in Leinefelde eine grundlegend neue Wirtschaftsstruktur aufgebaut. Damit war auch der Grundstein für die Entwicklung der heutigen Wohnungsbau- und Verwaltungs- GmbH Leinefelde (WVL) gelegt. Mit der Ansiedlung des Textilkombinates „Spinne“ in Leinefelde aber auch der Entwicklung des Kalibergbaus und dem Aufbau der Zementproduktion in der Region wurden so viele Arbeitsplätze geschaffen, dass diese aus dem vorhandenen Fachkräftepotenzial bei weitem nicht besetzt werden konnten. Die Folge: aus allen Teilen der DDR zogen vor allem jüngere Menschen nach Leinefelde. Vor diesem Hintergrund war es eine notwendige Konsequenz, dass in großem Umfang Wohnraum geschaffen werden musste.
Die ersten Häuser entstanden in der Bergstraße 1-5, in der Straße der Freundschaft 2- 12 (heute Heinrich-Werner-Straße) sowie der Geschwister–Scholl-Straße 12-18 und wurden dann mit weiteren komplexen Bauten in der Otto–Nuschke-Straße (heute: Konrad-Martin-Straße) bis hin zur Johann-Gottfried-Herder-Straße (heute: Herderstraße) im Süden der Stadt fortgesetzt. Um den wachsenden Wohnungsbestand auch verwalten zu können, wurde auf Beschluss der Volksvertretung am 20.07.1964 der VEB Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) rückwirkend zum 01.Juli 1964 gegründet.
Am 07.10.1969 war die Einwohnerzahl von 2.530 im Jahr 1959 schon auf 6.200 angewachsen und Leinefelde erhielt Stadtrecht. Diese Entwicklung war natürlich mit einem enormen, allerdings quantitativ ausgerichteten Anstieg des komplexen Wohnungsbaus einhergegangen und setzte sich fort. Bereits im Oktober 1972 wurde die 2.000-te. Neubauwohnung in der Ernst–Thälmann-Straße (heute: Gaußstraße) an die neuen Mieter übergeben. Entsprechend den Maximen des DDR-Städtebaus wurden die Wohnungen in Block- und Plattenbauweise errichtet und die Wohnbereiche strikt von den riesigen Produktionshallen getrennt. Bis 1989 war das frühere Dorf bereits zur Industriestadt mit rund 16.000 Einwohnern mutiert. Im Jahr 1990 verfügte allein die KWV Leinefelde über einen Bestand von 3.642 Neubauwohnungen. Der Generalbebauungsplan für Leinefelde aus dem Jahr 1986 zeigt, dass entsprechend dem Idealbild der „sozialistischen Stadt“ bis zum Jahr 2000 in der Südstadt weitere 2.900 Wohnungen im komplexen Wohnungsbau geplant waren und mit einem Anstieg der Einwohnerzahl bis zu 18.700 gerechnet wurde.
Im Zuge der mit der 1990 erfolgten deutschen Wiedervereinigung einhergehenden Änderung der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde diese Entwicklung abgebrochen. Begünstigt durch die wirtschaftliche Monostruktur kam es zu einem Wegbruch des größten Teils der industriellen Arbeitsplätze in der Region der auch durch den erfolgreichen Aufbau einer neuen, vielfältigeren Wirtschaftsstruktur in diesem Umfang nicht ausgeglichen werden konnte. Durch Abwanderung und sinkende Geburtenzahlen verlor Leinefelde in den folgenden Jahren nun schwerpunktmäßig in der Südstadt Einwohner und die WVL damit Mieter. Zudem setzte mit hoher Dynamik eine Individualisierung und Differenzierung der Wohnansprüche ein, für welche der offene Markt vielfältige Möglichkeiten bietet. Vor diesem Hintergrund wurde der Stadtumbau und die Verbesserung der Wohnqualität zur neuen Herausforderung.
Nach gesetzlichen Änderungen im Unternehmensrecht entstand aus der KWV zunächst im Jahr 1991 die Wohnungswirtschaft GmbH, welche per 01.01.1994 zur Wohnungsbau- und Verwaltungs- GmbH Leinefelde (WVL) umgewandelt wurde. Alleiniger Gesellschafter des Unternehmens war die Stadt Leinefelde. Die folgenden Jahre wurden durch viele neue rechtliche und wirtschaftliche Gegebenheiten geprägt. Erinnert sei hier nur kurz an die Vermögenszuordnung, die Mieterhöhungsgesetze sowie die Altschuldenentlastung und die damit verbundene Wohnraumprivatisierung. Vor allem aber wurden im Zuge des Stadtumbaus unter Federführung der Stadt und streng orientiert am Stadtentwicklungskonzept umfangreiche bauliche Maßnahmen durchgeführt.
Begonnen wurde 1993 mit den Modernisierungsmaßnahmen an rund 580 Wohnungen in der in der Konrad–Martin-Straße. Neben einer ganzen Reihe weiterer solcher Maßnahmen in der Käthe-Kollwitz-Straße 2-36 (170 WE), der Lilo-Herrmann-Straße 1-23 (120 WE), der Gaußstraße 2-26 (130 WE) oder der Goethestraße 1-15 (80 WE) ist vor allem die Komplettsanierung des „Physikerviertels“ (Einsteinstraße/Hertzstraße/Hahnstraße) mit 554 Wohnungen zu nennen. Diese wurde als Projekt der EXPO 2000 in 3 Bauabschnitten durchgeführt. Für den ersten Bauabschnitt wurde der WVL der Bauherrenpreis 1999 verliehen. Im direkten räumlichen Zusammenhang dazu wurde der Gebäudekomplex Hahnstraße 2 als Mieterzentrum und Verwaltungsgebäude der WVL umgebaut, wofür die WVL den Bauherrenpreis 2001 erhielt. Eine weitere Aufwertung erfuhr das „Physikerviertel“ durch den Bau des Japanischen Gartens in seinem Zentrum durch die Stadt. Weiterhin erfolgte der Neubau von 36 Wohnungen in der Geschwister-Scholl-Straße 1-11. Als aktuelles Projekt ist der Umbau des früheren Gebäudes Herschelstraße 9-37 zu 8 Stadtvillen mit je 8 Wohnungen anzuführen. Mit diesem Vorhaben wird eine neue Qualität im Umbau erreicht. Heute sind von dem für die Zukunft verbleibenden Wohnungsbestand ca. 80 % saniert und modernisiert, wobei immer die Qualität im Vordergrund stand. Darüber hinaus wurden zur Anpassung des Bestandes an die Nachfrage bislang rund 550 Wohnungen zurückgebaut. Insgesamt hat die WVL GmbH in den letzten 12 Jahren ein Bauvolumen von ca. 60 Mio. € realisiert.
Außer den baulichen Maßnahmen wurden ab dem Jahr 2001 innerhalb der WVL auf der Grundlage eines fundierten Unternehmenskonzeptes tiefgreifende Umstrukturierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen umgesetzt. So erfolgte das Outsourcing der Hausmeisterdienste und der Handwerkerleistungen des ehemaligen Bauhofs sowie die Umstrukturierung und der Abbau von Stellen im Verwaltungsbereich. Eine neue wohnungswirtschaftliche Software und moderne Controllinginstrumente sind jetzt die Basis für ein noch effektiveres Management.
Mit den genannten Bau- und Managementmaßnahmen haben wir heute ein wesentlich höheres Wohn- aber auch Dienstleistungsniveau erreicht und das Mieterinteresse gerade an unserem sanierten– und modernisierten Bestand zeigt, dass der eingeschlagene Weg der Richtige war. Entsprechend werden wir ihn gemeinsam mit unserem Gesellschafter, der fusionierten Stadt Leinefelde-Worbis fortsetzen. Die WVL wird auch in der Zukunft ein Motor bei der Stadtentwicklung sein.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
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